Geschichte der Oberndorfer Kirchen  
   
Die alte Oberndorfer Kapelle vor 1756

Kirchlich gehörte Oberndorf schon immer zur Stadtpfarrei Kuppenheim. Es ist heute noch Filiale der Mutterkirche in Kuppenheim. Die Oberndorfer mussten in Kuppenheim den Gottesdienst besuchen, ihre Kinder taufen lassen, gaben sich dort das Ja­wort zur Ehe und wurden auch bis 1954 auf dem Kuppenheimer Friedhof beerdigt. Der Verbindungsweg zwischen Oberndorf und Kuppenheim über den Essigsbuckel wurde früher oft als Kirchweg bezeichnet. Aber schon sehr früh gibt es einen Hinweis dafür, dass die Oberndorfer auch in ihrem Ort Gott verehrten. Bereits im Jahr 1433 stand in Oberndorf ein "Bild“. Es ist natürlich nicht mehr festzustellen, ob mit dem Bild ein Bildstock, ein Steinkreuz, ein Kruzifix oder ein Marienbild gemeint war. Aber zweifellos war es ein religiöses Denkmal, vor dem man betete. Möglicherweise wurde später um dieses Bild herum die erste Oberndorfer Kapelle gebaut.

Als der Baden-Badener Maler Hans Kaspar Knoder imJahr 1559 eine Landkarte der Landschaft um Kuppenheim anfertigte, malte er bei Oberndorf auch einen Kirchturm zu den Häusern. Knoder, der aus unserer Gegend stammte, dürfte sieh auch in Oberndorf ausgekannt haben. Deshalb ist der Kirch­turm bei Oberndorf wohl keine phantasievolle Ausschmückung, sondern ein Beleg für die Existenz einer Kapelle im Oberndorf jener Tage.

Urkundlich nachweisen lässt sich die Oberndorfer Kapelle seit dem Jahr 1710. Sie ist aber damals nicht neu erbaut worden, sondern war schon älter und musste repariert werden.

   

Der Neubau der Kapelle in den Jahren 1756 und 1757

Die in den Kriegszeiten schwer beschädigte Oberndorfer Kapelle war zwar in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts öfters notdürftig repariert worden, aber schließlich musste man doch an einen Neubau denken. In den Oberndorfer Gemeinderechnungen der Jahre 1756 und 1757 wird über größere Bauarbeiten an der Dorfkapelle berichtet. Zunächst ist zwar nur von einer Reparierung die Rede. Dann wird aber von der neu erbauten Kapelle gesprochen.

 
   

Die Kapelle im 18. und 19. Jahrhundert

Nach zahlreichen Reparaturarbeiten an der Kapelle in der Zeit seit 1757 machte der damalige Stadtpfarrer Rektor Herr von Kuppenheim im Jahre 1825 erneut den Versuch eine ausreichend große Kapelle zu erbauen. Nach Überwindung aller Schwierigkeiten wurde die Kapelle schließlich am 4. Mai 1828 fertiggestellt.

 
   

Die Oberndorfer Kapelle im 20. Jahrhundert

Das Erzbischöfliche Bauamt stellte bei einer Besichtigung im Oktober 1915 fest, dass die einschiffige Oberndorfer Kapelle mit Dachreiter recht kräftig und gut gebaut, aber in der Unterhaltung zurückgeblieben war. Der äußere Verputz war teilweise abgefallen und an vielen Stellen lose, verwittert und vermoost. Da ein schützender Randbeton oder eine Pflasterung um die Kapelle herum fehlten, waren die Pflanzen in die Sockelmauern eingewuchert und hatten das Mauerwerk durchfeuchtet. Dachkanäle, Abfallrohre und eine geordnete Abwasserleitung fehlten ganz. Die Blechverkleidung des Reitertürmchens war stark rostig und brauchte ebenso wie die Holzteile einen neuen Anstrich. Der Speicherboden, das Gebälk und der Dachreiter waren stark wurmstichig. Beim Betreten der Kapelle empfing den Besucher ein modriger Geruch, der von den durchfeuchteten Umfassungsmauern herrührte. Auch im Innern der Kapelle kamen erhebliche Mängel zum Vorschein. Der Aufwand für eine würdige Herrichtung des Äußern und des Innern der Kapelle wurde auf 2500 Mark veranschlagt. Aber wegen des Mangels an Arbeitskräften sollte mit der Renovierung noch bis nach Kriegsende gewartet werden.

Im Juli 1919 wurde die Kapelle erneut vom Bauamt besichtigt. Das Dach war umzudecken, der Dachkanal zu streichen, der teilweise wurmstichige Speicherboden auszubessern und der innere Anstrich zu erneuern. Die Kosten wurden auf 1700 Mark veranschlagt. Der Innenanstrich sollte aber erst nach Beendigung des geplanten Sakristeianbaus vorgenommen werden. Doch bald danach entwertete die Inflation die Rücklagen des Kapellenfonds. Zum hundertjährigen Jubiläum im Jahr 1928 ließ die Gemeinde die Kapelle reparieren. Sie wurde außen geweißelt und innen mit Ölfarbe gestrichen. Einige Ziegel wurden nachgesteckt und zwei elektrische Beleuchtungskörper angebracht. Die Gemeinde konnte nicht großzügiger helfen, weil sie selbst Zahlungsschwierigkeiten hatte.

Theodor Humpert beschrieb im Jahr 1928 die Oberndorfer Kapelle wie folgt: ,,Bescheiden erhebt sich die Kapelle zum hl. Kreuz an der Dorfstraße, ein stilloser Bau mit einem viereckigen Türmchen an der Straßenseite. Zwei Glocken rufen zum Gottesdienst am Freitag und am Sonntagnachmittag.

   

Die Erweiterung der Kapelle zur heutigen Kirche unter Stadtpfarrer Paul Enderle

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Raumnot in der Kapelle immer größer. Man musste an eine Erweiterung oder an den Neubau einer Kirche denken. Im Jahr 1955 schloss die Gemeinde Oberndorf mit dem Kapellenfond einen Schenkungsvertrag. Die Kapelle ging vom Gemeindebesitz in kirchlichen Besitz über. 1958 wurde unter Stadtpfarrer Enderle die Kapelle zu einer Kirche vergrößert und restauriert. Eine Fensterachse und der quadratische Chor mit Sakristei kamen hinzu. Zugleich bekam die Kirche einen neuen Altar. Im Untergeschoss entstanden Räume für die Pfarrgemeinde und die Jugend sowie eine Leichenhalle. Ein großer Teil der erforderlichen Mittel wurden durch Spenden aufgebracht. Die Vereine opferten die Überschüsse, die sie bei Veranstaltungen erwirtschafteten. Stadtpfarrer Enderle war nicht nur ein großzügiger Spender, sondern half auch bei allen möglichen Handarbeiten tatkräftig mit. Unter ihm bekam die Kirche auch eine elektronische Orgel.

Aber die Kirche stand immer noch ohne Turm da. Esmusste behelfsmäßig geläutet werden. Ein Gerüst aus  Holzstangen ersetzte zunächst den Glockenturm. Seit 1965 hingen die zwei kleinen Glocken an einer Behelfsaufhängung aus Eisenschienen, die an der Außenwand der Kirche angebracht waren. Die Frage des Kirchturms blieb lange ungelöst. Zeitweise dachte man an einen freistehenden Kirchturm (Campanile). Aber schließlich entschied man sich doch wieder für den Bau eines Dachreiters. Am 15. Oktober 1978 konnte Dekan Kunzmann die drei neuen Glocken für die Oberndorfer Kirche weihen. Die beiden alten Glocken sollten zur Mitfinanzierung der neuen Glocken versteigert werden, blieben aber vorerst im Ort.



Geschichte der Kuppenheimer Kirchen  
Entnommen von der Homepage der Pfarrgemeinde St. Sebsatian Kuppenheim